Älter werden - Jung bleiben
Es gibt einen einfachen Grund, warum die Anti-Aging-Forschung als ein wichtiges medizinisches Zukunftsthema angesehen wird:
Die Bevökerung wird aufgrund der höheren Lebenserwartung und Geburtenrückgängen immer älter. Statistisch betrachtet besitzt jedes Neugeborene derzeit eine Lebenserwartung von rund 80 Jahren.Zugleich ist heute bereits ein Drittel über 50 Jahre alt. Im Jahre 2050 wird sogar die Mehrheit der Deutschen ihren 50. Geburtstag gefeiert haben. (Die folgende Grafik veranschaulicht diese Entwicklung)
Kinder, die im Jahre 1900 in Deutschland das Licht der Welt erblickten, hatten eine durchschnittliche Lebenserwartung von 42 bis 46 Jahren. Derzeit dürfen Männer laut Statistik auf 74 und Frauen sogar auf 80 Lebensjahre hoffen. Das ist ein Anstieg um rund 75 Prozent.
Aber: Eine höhere Lebenserwartung allein macht noch keinen goldenen Herbst, sondern die Qualität der hinzugewonnenen Jahre ist entscheidend.
Jeder möchte lange leben, aber niemand will alt sein. Wann aber beginnt das Altern, verbunden mit den gefürchteten Vitalitätsverlusten, den unterschiedlichen Verschleiß - und Abbauerscheinungen, vor allem den äußerlich sichtbaren Veränderungen?
Das Ticken der Altersuhr
Bis zum heutigen Tage haben Mediziner und Biologen die Ursachen des Alterns und das Geheimnis, weshalb unser Leben endlich ist, noch nicht vollständig enträtseln können.
Das Ticken der biologischen Altersuhr ist zwar nicht zu stoppen oder gar zurückzudrehen, aber der Alterungsprozess lässt sich verlangsamen.
Generation 50 plus
Arbeiten müssen sie nicht mehr, die neuen Alten, jetzt haben sie Zeit, wollen jede Menge erleben und die Welt entdecken. Wohl achten sie mehr als früher auf Bequemlichkeit und Gesundheit. Aber alt fühlen sie sich noch lange nicht.
Schon gar nicht, wenn sie Geld ausgeben. Und das tun sie!
Die Generation der quicklebendigen Senioren wird in den kommenden Jahrzehnten zur wichtigsten Gruppe von Verbrauchern in Deutschland. Bis Mitte des Jahrhunderts wird sich der Anteil der über 60-Jährigen von einem Viertel auf mehr als ein Drittel erhöhen, der Altersdurchschnitt von heute 40 Jahren voraussichtlich auf 52 Jahre steigen.
Das Zentrum der Gesellschaft wird bis dahin längst jenseits der 14- bis 49-Jährigen liegen, die von der Wirtschaft „viel zu lange verhätschelt wurden“, sagen Marktforscher und Seniorenexperten. „Erst in der Konsumflaute dämmert es vielen Unternehmen langsam, dass sie etwas falsch gemacht haben.“
Ein Fehler, der sich rächen kann: „Das Konsumverhalten der Generation 50 plus entscheidet über die Zukunft vieler Unternehmen“, sagen Fachleute für Generationen-Marketing: „Wer sich jetzt nicht darauf einstellt, wird verlieren.“
Denn bei den Senioren spielt schon heute die Musik: Die über 50-Jährigen verfügen über mehr als die Hälfte der Kaufkraft und des Geldvermögens in Deutschland, sie kaufen 45 Prozent aller Neuwagen, 50 Prozent aller Gesichtspflegemittel und buchen 35 Prozent aller Pauschalreisen.
Chancen durch passende Produktwerbung
Deutschland gehört zu den Ländern, in denen sich die Alterspyramide am schnellsten umkehrt.Mit intelligenten Produkten für die Senioren könnten deutsche Unternehmen weltweit eine führende Rolle übernehmen. Oma und Opa hätten durchaus das Zeug, so glauben Fachleute, zum „Innovationsmotor für nahezu jeden Wirtschaftszweig zu werden“.
Doch nach ihren Erfahrungen sind Unternehmen davon hierzulande weit entfernt. So wird bislang von der Wirtschaft kaum genutzt, was deutsche Grundlagenforschung zu bieten hat.
Die deutsche Wirtschaft droht eine große Chance zu verpassen. Denn Senioren sind ein Seismograph für mögliche, noch unerkannte Produktverbesserungen. Wo es an Design, Bequemlichkeit, Einfachheit und Sicherheit bei Autos und Handys, Waschmaschinen und Möbeln, Hautcremes und Lebensmitteln hapert, merken ältere Menschen zuerst: Sie sehen schlechter, sind nicht mehr so beweglich — und haben nicht mehr die Geduld, sich durch unverständliche Betriebsanleitungen zu quälen.
So liegt die Chance gar nicht darin, mit speziellen Seniorenprodukten den Markt der Alten zu erschließen.
„Tatsächlich müssen wir die Zweiteilung der Warenwelt in Produkte für Benachteiligte und Produkte für Menschen, die anscheinend alles können, zerschlagen.“
Es geht also darum, die Alten anzusprechen, ohne sie zu diskriminieren. Wer ein Produkt als Seniorenware anpreist, hat schon verloren. Erst allmählich findet ein Umdenken statt: „Die Alten sind doch eigentlich gar nicht anders als die übrige Bevölkerung, sie sind bloß älter“, sagen Werber, „Orangensaft trinken alle, von sechs bis 96.“
Darum gelten für die Werbung mit und für ältere Konsumenten ganz einfache Grundregeln. Ihre Bedürfnisse müssen in der Offerte berücksichtigt, dürfen aber nicht gezielt angesprochen werden. „Als Angehörige einer Altersgruppe angesprochen zu werden - hallo, Du rüstiger Rentner -, das funktioniert nicht“, sagen Werbefachleute. Das sei ja nicht anders als bei Jugendlichen, die auch eher peinlich berührt reagieren, wenn sich das Kaltgetränk mal wieder in voll krasser Jugendsprache an sie heranwanzt.
Die Herausforderung, Anti-Aging Produkte zu konzipieren und sie geeignet zu vermarkten, geht quer durch alle Branchen.
Doch die Chancen durch den demographischen Wandel beschränken sich eben nicht nur auf Unternehmen, die ganz offensichtlich betroffen sind. Welche Chancen die wachsende Käuferschicht der Senioren bietet, haben einige wenige schon erkannt.
Zielgruppe 50 plus
Die Zielgruppe ist zu groß und nicht so klar umrissen, wie der Blick auf die Alterspyramide vermuten ließe. Ob jemand noch berufstätig oder Rentner ist, mit Kindern und Enkelkindern unter einem Dach wohnt oder allein in seinen vier Wänden, ob er sich guter Gesundheit erfreut oder schon vom einen oder anderen Zipperlein geplagt wird, hat nach Expertenansicht größeren Einfluss auf das Kaufverhalten als die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Altersgruppe.
Zudem ist Alter relativ: Wer aus der Sicht eines Pubertierenden mit Mitte Fünfzig längst zu den Grufties der Gesellschaft zählt, fühlt sich selbst häufig noch vital.




